DIVERSITÄT

Die sachlich schlechtesten Entscheidungen werden in homogenen ExpertInnengruppen getroffen. Dafür ist die Akzeptanz solcher (Fehl)Entscheidungen hoch, deren Korrigierbarkeit gering.
Unterschiede, Widersprüche, Vielfalt im Fühlen, Denken und Handeln garantieren Kreativität sowie Rationalität in Lern-, Entscheidungs- und Kooperationsprozessen.
Dieser gut abgesicherten Erkenntnis steht das Streben vieler Menschen nach »Aufgehen im Einen eines Gemeinsamen« entgegen. Viele Mechanismen bringen Menschen dazu, ihre Eigenheiten zu verstecken, zu verleugnen, aufzugeben - mit dem fragwürdigen Erfolg, nicht aufzufallen, in der Hoffnung, geliebt zu werden, in der Angst, ausgeschlossen zu werden.
Kaum ein Bedürfnis ist weiter verbreitet als das Liebesbedürfnis, kaum ein Irrtum führt mehr in die Irre als der, Liebe erringe man durch Gefälligkeit. Kaum eine Angst ist größer als die vor Exkommunikation.

Menschen sind eher bereit, ihr Leben und das anderer aufs Spiel zu setzen, als aus der Reihe zu tanzen!

Auf der Strecke bleiben Ambition, Mut, Zivilcourage und damit auch Moral und Selbstachtung.

Anpassung und Unterwerfung bringen Gleichgültigkeit, Depression, gereizte Zufriedenheit oder rachsüchtige Demut hervor. Solche Mentalitäten dämpfen Denken und Moral - Gewalt, Drogenabhängigkeit, Burnout und Krankheit werden wahrscheinlicher.

»Selbstbestimmen« hingegen korreliert mit fast allem was uns gut und teuer ist. Eigensinnige Taten machen glücklich.¹ Verantwortung, Selbstbestimmung, Individualität, Einzigartigkeit, Eigensinn und Gegenläufigkeit zu vergeschlechtlichten Rollen (Androgynie) sichern ein anregendes, langes Leben.²

Wollen Systeme in komplexen dynamischen Umwelten Probleme lösen, bedürfen sie einer hohen Eigenkomplexität. Je vielfältiger und heterogener die Mitarbeitenden, desto anschlussfähiger erweist sich ein System.

Mitarbeitende sollten dementsprechend ermutigt und unterstützt werden,

  • selbst zu denken,
  • Eigensinn zu pflegen und
  • eine autonome Moral zu entwickeln.


In diesem Sinn wird im Seminar an folgenden Themen gearbeitet:
  • Macht, Einfluss, Dependenz, Konterdependenz, Interdependenz
  • Risikofaktor Hierarchie
  • Systemtheorie:
    • Welcher Unterschied macht einen Unterschied?
    • Eigenkomplexität
    • Anschlussfähigkeit
    • Funktionellen Rollendifferenzierung

  • Individuum – Gruppe – Organisation
  • Gefährliche Gruppendynamik:
    • »Groupthink«
    • » Bedürfnis nach sozialer Evaluation«
    • » normativer Druck«
    • » Verantwortungsdiffusion«
  • Zeitgeistiges »Re-Design der Geschlechter«
  • Stärken und Schwächen geschlechtsklassenspezifischer ‚Fühl – Denk – und Verhaltensprogramme‘ - empirische Befunde
  • Denken und Moral
  • Symbolische Differenz von Dominanz und Unterwerfung
  • „Handle stets so, daß Du die Anzahl der Möglichkeiten vergrößerst.“
    HEINZ VON FOERSTER ³

 

Methode:
Lebendiges Lernen - Aufgaben, Übungen, Spiele, Simulationen, kleine Tests, die die Teilnehmenden selbst auswerten, theoretische Inputs und gemeinsame Reflexion. Die angeführten Themen verstehen sich als Angebot. Auswahl und Schwerpunktsetzung erfolgt zusammen mit den Teilnehmenden.
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  1. vergl. M.SPITZER, Selbstbestimmen. Gehirnforschung und die Frage: Was sollen wir tun? München 2004, S 127 ff
  2. Vergl. A.KRUMPHOLZ-REOCHEL, Auf ein langes Leben! In: Psychologie heute,
    Februar 2001,S 23, U.NUBER, Man ist nie zu jung für das Alter, ebenda S 20
  3. H.v.FOERSTER, Aufbau und Aufbau, in: F.P.SIMON, Lebende Systeme,
    Frankfurt a. M. 1997, S 51

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